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Natur. Geschichte. Haltung.

Foto: Luisa Grabenschweiger

Unsere Beziehung zur Natur neu gedacht

Was verbindet die Wallersee-Gespräche des Salzburger Bildungswerks mit dem Ö1-Radiokolleg „Gipfelstürmer – Ideologie im Rucksack“? Beide werfen einen neuen Blick auf unsere Beziehung zur Natur. Sie zeigen, warum Berge weit mehr sind als Sport- oder Urlaubskulisse – und weshalb die Werte der Naturfreunde heute aktueller sind denn je.

Naturerfahrung braucht mehr als schöne Aussicht

Bei der Eröffnung der Wallersee-Gespräche Mitte Juli sprach Mag. Sophia Burtscher, Vorsitzende der Naturfreunde Salzburg, über die Bedeutung von Naturerfahrung für Gesundheit, Wohlbefinden und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Menschen wieder eine stärkere Beziehung zur Natur aufbauen können – und warum frei zugängliche Naturräume dafür unverzichtbar sind.

Foto: Dietlind Scharzenberger

Natur für alle – seit über 130 Jahren

Für die Naturfreunde ist das seit über 130 Jahren gelebte Praxis: Natur soll für alle Menschen erlebbar sein – unabhängig von Alter, Einkommen oder Herkunft. Dies erklärt sich aus der Entstehungsgeschichte der Organisation, die aus der Arbeiterbewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts hervorgegangen ist.

Burtscher: „Schon im Zeitalter des beginnenden Tourismus bemühten die Naturfreunde sich, einer breiteren Bevölkerungsschicht naturnahe und kostengünstige Freizeit- und Reiseaktivitäten zu ermöglichen.“ Wandern, gemeinsame Touren und Umweltbildung schaffen nicht nur Bewegung, sondern auch Verständnis für unsere Lebensräume – damals wie heute.

Bergsteigen zwischen Tradition und Inszenierung

Im aktuellen Ö1-Radiokolleg „Gipfelstürmer – Ideologie im Rucksack“ wird ua. die Geschichte des Bergsteigens beleuchtet. Ein Teil widmet sich der Entstehung der Naturfreunde, die seit 1895 den Zugang zur Natur für breite Bevölkerungsschichten ermöglichen und somit untrennbar mit dem Thema Alpinismus/Bergsteigen/Berge im Wandel des 20./21. Jahrhunderts verbunden sind. Weitere Folgen beschäftigen sich mit der Vereinnahmung der Berge im Nationalsozialismus sowie mit der zunehmenden Kommerzialisierung, Erlebnisinszenierung und Social Media.

„Wir machen das Tourismusland Österreich durch die alpine Infrastruktur erst so wertvoll.“ sagt Sophia Burtscher im Interview. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter der alpinen Vereine kümmern sich um die Wegeerhaltung, ohne die die zahlreichen Erlebnis-Inszenierungen am Berg gar nicht möglich wäre. Burtscher stellt provokant die Frage „Brauchen wir (Anm.: die Gesellschaft) wirklich auf jedem Berggipfel eine Hüpfburg oder schauen wir, dass das traditionelle Bild der Natur, der Alpen erhalten bleibt?“

Foto: Roland Hold

Ein Thema, das aktueller ist denn je

Beide Formate machen deutlich: Natur ist weit mehr als ein Freizeitangebot. Sie ist Lebens- und Bildungsraum, ein Ort der Gemeinschaft. Dennoch werden Berge heute oftmals als Produkt vermarktet – Erlebnisberg, Foto-Spot, touristische Inszenierung. Der Profit, der mit den Bergen, mit der Natur erzielt werden kann, zählt mehr als das reale Naturerlebnis. Die Naturfreunde setzen sich deshalb seit Generationen dafür ein, dass Berge und Natur allen Menschen offenstehen und verantwortungsvoll genutzt werden.

Fazit

Wer die Berge nur als Sport- oder Fotokulisse sieht, übersieht ihre Geschichte. Die Wallersee-Gespräche und das Ö1-Radiokolleg zeigen eindrucksvoll, warum die Werte der Naturfreunde – Solidarität, Naturschutz und freier Zugang zur Natur – heute aktueller sind denn je.

Mehr zum Thema:

Klimabildung Salzburg

Wallerseegespräch

ORF Podcast (Gipfelstürmer – Ideologie im Gepäck, Folge 1-4)

Weitere Einblicke

Fotos: Roland Hold, Naturfreunde Salzburg

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